Zur Geschichte der Tracht → Erneuerte Tracht

 

Das Vogtland gehört nicht zu den überregional bekannten Trachtenlandschaften. Die allgemeine Trachtenforschung hat von der   vogtländischen Tracht kaum Notiz genommen. Dazu kann beigetragen haben, dass sie der Tracht der benachbarten  Regionen Oberfrankens und Südthüringens in vielem ähnlich war und ist. Zahlreiche zeitgenössische Quellen sowie der überlieferte Bestand und die spätere kontinuierliche Pflege und Verwendung als Requisit überlieferter Volkskunst bestätigen aber die Existenz und Bedeutung während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Wie in anderen Landschaften entwickelte sich auch im Vogtland die Tracht als eine besondere Kleidung der Landbevölkerung. Sie entstand im Spannungsfeld zwischen den seit der Französischen Revolution aufkommenden bürgerlichen Moden und dem überkommenen Kleidungsverhalten, das bis ins 18.Jahrhundert durch landesherrliche Kleiderordnungen reglementiert war. Die Tracht im Vogtland hatte ihre Blütezeit von 1790 bis 1850. Die wenigen überlieferten Beschreibungen machen jedoch auch deutlich, dass die Tracht damals durchaus nicht einheitlich war. Sie zeigte Unterschiede, die vom jeweiligen Gestaltungsvermögen der Schneider und Näherinnen, vom Geschmack und den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Träger, vom Stoffangebot sowie von modischen Vorbildern beeinflusst waren.

Da bildliche Zeugnisse fast über das ganze 19. Jahrhundert fehlen, lassen sich nur aus den überlieferten Trachtenteilen Rückschlüsse ziehen.

 

Diese haben ausnahmslos dunkle Farbtöne (violett, dunkelblau, dunkelrot, dunkelgrün, braun), was durch Stoffangebot, aber auch durch die Vorbildwirkung der städtischen Festtagskleidung bewirkt wurde. Außerdem blieb bis auf wenige Stücke nur Frauenkleidung erhalten. Die Männer hatten durch Militärdienst und Arbeit in den Städten schneller die dörfliche Bindung verloren und die Tracht früher abgelegt. Die meisten überlieferten Trachtenteile sind als Festtagskleidung anzusehen. Alltags- und Arbeitskleidung ist kaum überliefert worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Unmöglich lässt sich nur das Alte pflegen, die Tracht genauso wie sie von den Ahnen überliefert, vor dem  Untergang retten und dadurch das rollende Rad der Zeit aufhalten.

 

Das hieße, sie der Erstarrung anheim fallen zu lassen und ihren Lebenstrieb zu unterbinden. Nicht um die alte Tracht handelt es sich, sondern um  die heute tragbare. Nach unserem Ermessen wird dem völligen Aussterben der Trachtenstücke vorgebeugt, wenn sie sich zeitgemäß entwickeln.

 

Beides, das Alte und das Neue, soll dem Fortschritt unserer Kultur gemäß  in innigster Verbindung miteinander gepflegt und gefördert werden."   (Hönn, Eugen: Aus Vergangenheit und  Gegenwart des Dorfes Milz.  ...1994 )

 

Daran anlehnend meinen auch wir, dass eine heute tragbare Tracht die wichtigen historischen Merkmale  haben sollte und doch der heutigen Zeit angepasst ist.

Frauen - lange faltenreiche gestreifte oder geblümte
 Miederröcke - weiße Hemdbluse mit halblangen Ärmeln - buntes seidenes oder wollenes Brusttuch mit Fransen - große Schürze mit Musterung und Zierbändern - kurze gefütterte Jacke (Spenzer) mit 
 Schinkenärmeln und Kragen - im Kernvogtland schwarze Buckelhaube mit Spitzen am Haubenansatz , kunstvoll verzierten Haubenfleck und langen schwarzen Seidenbändern im Nacken auch mit darüber gebundenem Tuch - weiche Haube im Volksmund " Schlappe") im südlichen Vogtland mit darüber gebundenen Tuch aber selten mit
 Haubenbändern - Schleifen- oder Bänderhaube im thüringischen Vogtland mit Haubenbändern bis weit über die Taille reichend - weiße Strümpfe und schwarze Schuhe - Mädchen trugen ein Kopftuch mit Schleife über 
 der Stirn
 - Röcke, Brusttücher, Schürzen, Spenzer und 
 Westen hatten
 fast ausnahmslos dunkle Farbtöne (violett, 
 dunkelblau, dunkelrot, dunkelgrün, braun, schwarz) Männer - Knie- oder knöchellange Hose aus Leder,
 Tuch oder Manchester - gestreifte, gegitterte oder geblumte
 Weste - seidenes oder baumwollnes meist rotes
 Halstuch - taubenblauer knielanger Kittel, dunkel- 
 farbige kurze Jacke oder ein dunkler
 Gehrock - weiße oder blaue Strümpfe - schwarze Schnallenschuhe oder Stiefel - dunkelblaue oder schwarze Schirmmütze,
 hin und wieder einem zylinderförmigen
 Hut Historische Trachtenbilder Die historische Tracht Als "Vogtländische Tracht" wird die Form der bäuerlichen Kleidung verstanden, die aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorwiegend in ihrer Festtagsform in Museen, bei Privatpersonen sowie in Vereinen überliefert ist. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges begannen die bäuerlichen Schichten ihren eigenen Kleidungsstil zu entwickeln. Aber erst zwischen 1790 und 1850 hatte die Tracht als Volkstracht ihre Blütezeit.

Drei Generationen mit verschiedenem  Kopfputz

Elsterberger Trachtengruppe zum Trachtenfest 1896 in Dresden

Ehepaar Höra (Plauen) beim Trachtenfest 1927

 in Bad Elster

Junge Trachtenträgerinnen in der 2. Hälfte

 des 19.Jahrhunderts

Auch diese Tracht bezaubert

Trachtengruppe beim Hammelkegeln

"Latschweiber" in

 vogtländischer Tracht

Moderne Models in sehr gut erhaltenen

 historischen Trachten

Die erneuerte Tracht im Vogtland

Vogtländerinnen tragen heute

 

 - einen wadenlangen, weiten und

   faltenreichen Miederrock, gestreift,

   oder mit kleiner Musterung

 - eine weiße Bluse mit rundem Ausschnitt

   und halblangen  Ärmeln

 - ein  buntes Brusttuch mit Fransen aus

   Seide oder Wolle

 - eine Schürze,  mit Bindebändern

 - einen Spenzer mit Schinkenärmeln,

   großem Kragen und  kleinem Schößchen

 - eine schwarze Buckelhaube mit reich

   verziertem Haubenboden, langen
   schwarzen Seidenbändern und Spitze
   am Haubenrand oder eine "weiche
   Haube" ohne Schleifenbänder mit
   Haubentuch im oberen Vogtland

 - einen weißen verzierten Unterrock

 - schwarze Schuhe und weiße Strümpfe

 - ein Kopftuch und Stirnschleife bei
   Mädchen

 

Vogtländer tragen heute

 

 - eine schwarze Kniebundhose aus

   Tuch oder Manchester

 - ein weißes Baumwollhemd mit Kragen

   und kleinen umgeschlagenen Ecken

 - eine gestreifte, gegitterte oder
   gemusterte Weste in nicht zu hellen
   Farben

 - eine Krawatte, als halbe

   asymmetrische Schleife gebunden

   oder ein Halstuch unter dem
   Umlegekragen überwiegend in rot
   oder auch anderen Farbtönen

 - einen taubenblauen Kittel oder Jacke

 - weiße Strümpfe und schwarze
   Halbschuhe, auch mit Schnalle

 - eine schwarze oder dunkelblaue
   Tuchmütze mit Schirm

 

Was trugen die Vogtländer damals?

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